Putin empfängt Modi in Moskau: Schmieden die Brics einen Friedensplan für die Ukraine?
Source: Berliner Zeitung | Original Published At: 2024-07-08 11:19:53 UTC
Key Points
- Putin und Modi treffen erstmals seit Kriegsbeginn in Moskau
- Gesprächsthemen: Handel, Energie, Verteidigungskooperation
- Indien ist größter Abnehmer russischen Öls
- Gemeinsames Transportprojekt Chennai-Wladiwostok geplant
- BRICS- und SCO-Mitgliedschaften als multilaterale Plattformen
Es lässt sich nicht mehr leugnen: Die internationale Isolation der russischen Führung – wie in den ersten Monaten nach der Invasion in der Ukraine – findet zunehmend ein Ende. Nach Putins Besuch in Peking und Viktor Orbáns Stippvisite in Moskau kommt nun auch der Premierminister Indiens, Narendra Modi, in die russische Hauptstadt. Es ist sein erster Besuch in der 13-Millionen-Einwohner-Metropole seit Beginn des Ukrainekrieges.
Dem bilateralen Treffen der beiden Brics-Mitglieder wird insofern eine große Bedeutung zugerechnet, als es sich um Modis erste Auslandsreise handelt, nachdem er im Juni in seiner Heimat für eine dritte Amtszeit wiedergewählt wurde. Der indische Staatschef wird während seines zweitägigen Besuchs die komplette Palette russischer Gastfreundschaft zu spüren bekommen.
Laut übereinstimmenden russischen wie auch indischen Medienberichten wird Modi am Hauptstadtflughafen Wnukowo feierlich empfangen; später geht es auf den Roten Platz im Zentrum, wo er Schulkinder der indischen Gemeinschaft in Moskau treffen wird. Am Abend ist ein Essen mit Putin geplant – es soll unter vier Augen auf der Datsche des russischen Präsidenten stattfinden. Putin soll „spezielle Gäste“ stets auf sein privates Anwesen einladen, berichten indische Medien.
Handels- und Rüstungsfragen auf der Tagesordnung
Von offizieller Seite heißt es, die beiden Staatschefs wollen die „Entwicklung der traditionell freundschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und Indien“ weiter vorantreiben und „aktuelle Fragen auf der internationalen und regionalen Agenda erörtern“. Zentrale Themen auf der Tagesordnung: Handelsfragen, Energiekooperationen sowie der Verteidigungskomplex.
So ist Indien beispielsweise der größte Abnehmer von russischem Öl, das über den Seeweg transportiert wird. Allein im April dieses Jahres importierte Indien etwa 4,8 Millionen Barrel Öl pro Tag aus dem geografisch größten Land der Erde – zu vergleichsweise günstigen Weltmarktpreisen.
Auch bei Düngemitteln oder Sonnenblumenöl ist Russland der größte Produzent für den indischen Markt. Darüber hinaus wollen beide Seiten in das gemeinsame Transport-Projekt Chennai-Wladiwostok investieren, das die ostindische Hafenmetropole mit der russischen Pazifikstadt verbinden soll. Gemeinsame Rüstungsprojekte sollen laut der englischsprachigen Zeitung The Hindu ebenfalls auf der Tagesordnung stehen. Indische Waffenkonzerne haben traditionell enge Beziehungen zum industriell-militärischen Komplex in Russland; seit Beginn des Krieges in der Ukraine diversifizierten jedoch die Inder ihre Rüstungsbeschaffungen und kaufen vermehrt Güter aus Frankreich, den USA oder Israel ein.
Immer mehr Spitzenpolitiker im Gespräch mit Putin
Außerdem sind Russland und Indien Mitglieder in mehreren geopolitischen Zusammenschlüssen: im Brics-Bündnis, in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO), den G20 sowie beim Ostasien-Gipfel. Die politische Führung in Neu-Delhi hält sich seit mehr als zwei Jahren mit offener Kritik am Kreml zurück und vertritt eine neutrale Haltung zum Ukrainekrieg. Stattdessen drängt Modi immer wieder beide Seiten, den Krieg zu beenden. „Dialog und Diplomatie“ seien das Credo der indischen Außenpolitik im Hinblick auf den Krieg in Osteuropa, betont Modi.
Doch nicht nur europäische Diplomaten werden mit Spannung auf den Moskau-Besuch des indischen Staatschefs schauen. Nicht zuletzt Modis Absage an den SCO-Gipfel in Kasachstan verdeutlichte die wachsenden Spannungen zwischen China und Indien. Ein mehr als 60 Jahre alter Grenzkonflikt mit China eskalierte vor wenigen Jahren im Himalaya und führte zu mehreren Dutzend Todesopfern auf beiden Seiten. Spitzenpolitiker aus beiden Ländern meiden sich deshalb bei großen zwischenstaatlichen Zusammenkünften. Zum SCO-Treffen in Astana schickte Modi beispielsweise seinen Außenminister Subrahmanyam Jaishankar.