Trump will umstrittenen Berater als Fed-Gouverneur einsetzen
Source: Neue Zürcher Zeitung | Original Published At: 2025-08-08 00:13:45 UTC
Key Points
- Trump nominiert Stephen Miran für Fed-Gouverneursposten
- Miran vertritt radikale geldpolitische Positionen (Dollar-Schwächung, Zollpolitik)
- Kritik an der Federal Reserve und Vorschläge zur Reform der Notenbankstruktur
- Ernennung signalisiert Streben nach mehr Einfluss auf US-Geldpolitik
- Miran gilt als loyaler Trump-Anhänger mit potenziell expansiver Zinspolitik
Trump will seinen umstrittenen Berater Stephen Miran zum Fed-Gouverneur ernennen Der Ökonom hat die Finanzmärkte mit radikalen Vorschlägen zur Schwächung des Dollars verschreckt und den Fed-Chef Powell scharf kritisiert. Trump macht mit der Ernennung klar, dass das Weisse Haus mehr Einfluss bei der Notenbank haben will.
Stephen Mirans radikale Ideen zum Dollar haben im Frühling für viel Aufsehen gesorgt. Imago / Pool / Abaca
Donald Trump nominiert seinen Chefökonomen Stephen Miran für den frei werdenden Gouverneursposten in der Notenbank Fed. Das verkündete der Präsident auf seiner Nachrichtenplattform Truth Social. Sofern Miran vom Senat bestätigt wird, wird er diese Rolle bis Ende Januar 2026 ausüben. Trump machte klar, dass Miran den Posten nur temporär übernehmen wird. Die Suche nach einem Kandidaten, der eine komplette 14-jährige Amtszeit absolvieren könnte, geht laut Trump weiter.
Ein streitbarer Ökonom
Miran führt derzeit Trumps Stab von Wirtschaftsberatern und hat zuvor bereits mit radikalen Ideen Trump beeinflusst und für Aufsehen gesorgt. Der 41-Jährige polarisiert, weil er in einem Grundlagenpapier vorgeschlagen hat, den Dollar gezielt zu schwächen. Dies, indem man ausländische Gläubiger zum Kauf von 50- oder 100-jährigen, kaum verzinsten Staatsanleihen zwingt oder indem man ihnen eine Gebühr aufhalst, wenn sie amerikanische Staatsschulden halten.
Zahlreiche Ökonomen sehen in solchen Vorschlägen ein Spiel mit dem Feuer, weil ein solcher Schritt ausländische Investoren aus den USA vertreiben und eine Finanzkrise herbeiführen könnte. Mirans Gedankenspiel, damals als «Mar-a-Lago Accord» bezeichnet, hielt die Märkte im April im Bann, als Trumps Zölle ohnehin für eine Vertrauenskrise und einen scharfen Anstieg der Renditen auf langjährige amerikanische Staatsanleihen sorgten.
Der amerikanische Präsident hat Mirans Plan bisher nicht umgesetzt, dennoch finden sich in seiner Wirtschaftspolitik Spuren dieser widersprüchlichen Haltung gegenüber dem Dollar: Trump hat sich mehrfach für eine schwache Währung ausgesprochen, weil das die Exporte ankurbeln und das Handelsbilanzdefizit verringern kann – eines seiner wirtschaftlichen Hauptziele. «Wenn man einen starken Dollar hat, kann man keinen Tourismus betreiben», sagte Trump vor zwei Wochen vor den Medien, «man kann keine Trucks verkaufen. Man kann nichts verkaufen.»
Zugleich will Trump die Vorteile nutzen, die der Dollar als weltweite Leitwährung den USA bringt. Er hat unter anderem den Brics-Staaten mit massiven Zöllen gedroht, sollten sie sich vom Dollar als Leitwährung abwenden. Doch je mehr Nachfrage nach Greenbacks im Ausland geschaffen wird, desto stärker wird dieser.
In einem anderen Strategiepapier hatte sich Miran bereits für hohe Einfuhrzölle von rund 20 Prozent ausgesprochen. Mit den seit diesem Donnerstag geltenden hohen Zollsätzen hat Trump diese Vorstellung einer Wagenburg USA grösstenteils in die Realität umgesetzt.
Ein Kritiker der Notenbank
Darüber hinaus hat sich Miran in jüngerer Vergangenheit als scharfer Kritiker des Fed unter dessen Chef Jerome Powell in Szene gesetzt. In einem Positionspapier, das er im Frühjahr 2024 mit Dan Katz verfasst hat, dem jetzigen Stabschef des Finanzministeriums, wirft er der Notenbank vor, wegen schädlichen Gruppendenkens falsche geldpolitische Entscheide getroffen zu haben. Dies insbesondere, als das Fed die Inflationswelle nach der Corona-Pandemie unterschätzt hatte.
Das Fed habe sich zudem in politische Fragen eingemischt, indem es Kredite rationiert und Banken reguliert habe. Miran und Katz sprachen sich für eine strikte Trennung der geldpolitischen und der regulatorischen Aufgaben des Fed aus. Sie schlagen zudem eine Verkürzung der 14-jährigen Amtszeit der Gouverneure vor und dass die «Drehtür» zwischen Fed und Verwaltung blockiert wird. Fed-Gouverneure sollten also nach Möglichkeit keine Spitzenposition in der Regierung übernehmen und umgekehrt.
Nun betritt Miran, der bereits in Trumps erster Amtszeit im Finanzministerium gearbeitet hatte, selbst diese Drehtür. Heute gilt er als Trumps loyaler Gefolgsmann. Es ist gut denkbar, dass er sich für eine lockere Zinspolitik im Sinne des Präsidenten einsetzen und die Argumente der Regierung in das Führungsgremium des Fed einbringen wird.
Das Nachfolge-Karussell dreht sich
Die sieben Gouverneure des Federal Reserve Board haben einen sehr grossen Einfluss auf die Geldpolitik und das Wirtschaftsgeschehen der Vereinigten Staaten. Zusammen mit jeweils fünf Präsidenten der regionalen Federal Reserve Banks bilden sie den sogenannten Offenmarktausschuss des Fed und legen den Leitzins der USA fest. Dieser Leitzins prägt massgeblich die Teuerung im Land und beeinflusst die Häuserpreise, die Kreditzinsen sowie den Aktien- und den Anleihenmarkt.
Der Gouverneursposten wird frei, weil die von Joe Biden ernannte Gouverneurin Adriana Kugler vor einer Woche überraschend ihren frühzeitigen Abgang bekanntgab. Kuglers Amtszeit hätte eigentlich erst Ende Januar 2026 geendet. Wollte Trump Miran langfristig als Fed-Gouverneur behalten, müsste dieser in einigen Monaten also erneut vom Senat im Amt bestätigt werden.
Der amerikanische Präsident sucht derzeit einen permanenten Nachfolger für den Fed-Chef Jerome Powell. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat am Donnerstag berichtet, dass der Fed-Gouverneur Christopher Waller die besten Karten habe. Doch auch Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett und der frühere Fed-Gouverneur Kevin Warsh gelten als Favoriten für den Posten. Sollte Warsh oder Hassett zum Fed-Chef nominiert werden, müsste Trump sie erst zu Gouverneuren ernennen – und dafür Kuglers frei werdenden Sitz nutzen.
Jerome Powells Amtszeit als Fed-Chef endet zwar Ende Mai 2026, allerdings könnte er als Gouverneur noch fast zwei Jahre weitermachen. In der Regel traten Fed-Chefs bisher auch gleichzeitig als Gouverneur zurück. Powell selbst hat bisher aber beharrlich geschwiegen zu der Frage, ob er Trump – der ihn in letzter Zeit pausenlos beleidigt und unter Druck gesetzt hat – diesen Gefallen tun wird.
Die Börsen bleiben ruhig
Mirans Nominierung hat an den Finanzmärkten zunächst keine starke Reaktion ausgelöst. Weder die Renditen für amerikanische Staatsanleihen noch die Erwartungen zur künftigen Zinspolitik des Fed haben sich spürbar verändert.
Erstens wird Trumps Hausökonom nur über eine von zwölf Stimmen im Offenmarktausschuss des Fed verfügen und kann Entscheide nicht im Alleingang kippen. Zweitens gehen die Märkte seit einer Woche ohnehin davon aus, dass das Fed seine Zinspolitik wegen des schwächelnden Arbeitsmarkts in den nächsten Sitzungen spürbar lockern wird.
Die Anleger rechnen daher fest mit einer Zinssenkung im September und einem bis zwei weiteren Senkungsschritten bis Ende Jahr.