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China-USA-Handelskrieg: Septemberzahlen bestätigen Verschiebung statt Entkopplung

China-USA-Handelskrieg: Septemberzahlen bestätigen Verschiebung statt Entkopplung
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Source: finanzmarktwelt.de | Original Published At: 2025-10-20 15:10:19 UTC

Key Points

  • Der China-USA-Handelskrieg führt zu einer globalen Verschiebung der Warenströme statt einer echten Entkopplung.
  • ASEAN-Staaten profitieren als Drehscheiben, während China und die USA die größten wirtschaftlichen Verluste tragen.
  • BRICS-Staaten profitieren nicht vom Konflikt; China reduziert Handel mit BRICS-Partnern wie Brasilien.
  • Seltene Erden und Hightech-Importe aus Drittländern werden strategisch genutzt, um Handelsbeschränkungen zu umgehen.
  • Protektionismus trifft vor allem die protektionistischen Länder selbst, mit sinkenden Exportwerten und steigenden Importkosten.

Neue Handelszahlen zeigen, dass der Konflikt zwischen China und den USA die weltweiten Warenströme verschiebt und keine echte Trennung der Märkte stattfindet. Die aktuellen Handelszahlen aus China und den USA machen deutlich, dass der China-USA-Handelskrieg keine echte Entkopplung bewirkt, sondern vor allem zu einer globalen Verschiebung der Warenströme führt. Beide Länder tragen dabei die größten wirtschaftlichen Verluste, während Europa die Nebenwirkungen spürt und die ASEAN-Staaten als klare Gewinner hervorgehen. Auch die BRICS-Staaten profitieren nicht von dem Konflikt, wie neue Daten aus Peking zeigen, die außerdem darauf hinweisen, dass die jüngsten Restriktionen für Seltene Erden seit Monaten vorbereitet wurden.

China plante Gegenmaßnahmen seit Monaten

Die Septemberbilanz zeigt insgesamt eine orchestrierte Reaktion auf die zunehmende Konfrontation mit den Vereinigten Staaten. Die neuen Lizenzpflichten für Seltene Erden markieren eine bewusste Eskalationsstufe, die nach allem, was die Daten nahelegen, seit mindestens August vorbereitet wurde.

Gleichzeitig gingen die Exporte Seltener Erden im Volumen um 30,9 Prozent zurück. Dieses Zeichen strategischer Zurückhaltung zielt auf westliche Hightech-Industrien ab, um sie unter Druck zu setzen.

Parallel dazu steigen die Importe von Hightech-Produkten rapide an, vor allem aus Taiwan, Malaysia und Singapur. Über Malaysia und Singapur gelangen hauptsächlich High-End-Chips aus den USA in den Markt, unter Umgehung der amerikanischen Ex- und chinesischen Importregeln. Die Vorratshaltung hochwertiger Chips erfolgt offenbar mit Billigung der Regierung in Peking. Diese Entwicklung sichert Chinas Industrie ab und bereitet sie auf eine längere Phase der Abschottung vor.

China und USA handeln weiter – nur indirekt

Gleichzeitig geht der direkte Handel zwischen China und den USA weiter zurück. Im laufenden Jahr sanken Chinas Exporte in die USA um 17 Prozent, im September brachen sie sogar um 27 Prozent ein. Vice versa sanken die Containerimporte aus China in die USA nach den neuesten Zahlen von Descartes von Januar bis September um 22,9 Prozent. Ebenso sanken die Einfuhren aus den USA um 11,6 Prozent. Scheinbar entflechtet sich „Chimerica“ wieder.

Doch die Warenströme bestätigen die bisherigen Beobachtungen, dass es sich um eine Verschiebung des direkten Handels in einen indirekten Handel mit der Drehscheibe der ASEAN-Staaten handelt. Die Exporte Chinas in die ASEAN-Staaten stiegen bis September um 14,7 Prozent. Die USA wiederum importierten aus Vietnam, Indonesien und Thailand 37,1 Prozent mehr Waren per Container. Chinesische Exporteure nutzen die ASEAN-Staaten also nicht nur als Zwischenstation, sondern bauen Produktionsstandorte in den südlichen Nachbarländern weiter aus. Ähnlich agiert Mexiko als Nearshoring-Hub, wo US-Importe um 15 Prozent YTD zugenommen haben, oft mit chinesischen Komponenten. Dieses Muster macht die Entflechtung von „Chimerica“ nur scheinbar.

Protektionismus frisst Rendite – nicht Unabhängigkeit

Dabei verdienen die asiatischen Staaten gut an der Weiterleitung der Waren, während die chinesischen Exporteure Einnahmeverluste hinnehmen müssen und die amerikanischen Konsumenten die Zeche zahlen. Ausweislich der chinesischen Handelsstatistik fiel der Wert pro exportierte Einheit im laufenden Jahr um 2,0 Prozent. Nach den Zahlen der FRED St. Louis Fed stiegen die Importpreise von Januar bis August um 0,33 Prozent, wobei der Preis für Waren aus China um 2,13 Prozent fiel. Wer also aus China direkt in die USA exportiert, muss schlechtere Preise akzeptieren.

Die USA bezahlen aber auch mit einer nachlassenden Konjunktur. Die Containerimporte aus den 10 wichtigsten Partnerländern fielen in den ersten neun Monaten um 12 Prozent, allerdings ist die Summe aller Container mit 2 Prozent leicht positiv. Dabei zeigt sich, dass Konsumgüter zwar vom Rückgang mehr betroffen sind als industrielle Produkte, dass die Importe aus den westlichen Industrienationen wie Deutschland, Italien, Taiwan und Südkorea jedoch überproportional nachlassen. Die Zölle treffen neben China also besonders die eigentlichen amerikanischen Verbündeten.

Umgekehrt importiert China weniger Waren aus der EU. Insgesamt führte die Volksrepublik 3,2 Prozent weniger Güter aus diesen Ländern ein. Besonders betroffen sind hier Deutschland mit -3,8 Prozent und Italien mit -7,9 Prozent.

Trotz fallender Importe: Frachtraten steigen

Wie die Zahlen von Descartes zeigen, fallen die Importe in die USA in den letzten zwei Monaten, was auf eine abkühlende Konjunktur hinweist. Denn eigentlich war die Erwartung, dass vor der eigentlichen Deadline im November ein Peak eintritt und die Weihnachtsware früher eingeführt wird. Normalerweise steigen in den Monaten August bis Oktober die Einfuhren. Der Vorlauf am Port of Los Angeles, der für die ersten drei Oktoberwochen ein Minus von -14 Prozent prognostiziert, unterstreicht diesen Kater nach dem Frontloading-Hoch im Juli.

Der Handelskrieg hatte in den letzten Monaten die Frachtpreise fallen lassen. Aber nicht nur die fehlenden Volumina waren für die Abschläge maßgeblich, sondern vor allem auch Überkapazitäten auf allen Routen. Letzte Woche zogen allerdings die Entgelte auf den großen Routen zwischen China, USA und Europa wieder an. Die Reeder versuchen großflächig ihre Preise für Großkunden (GRI) zu erhöhen. In diesem Zuge haben sich auch die Spotraten verteuert. Die Reeder haben aber auch auf die Verlagerung der Warenströme hin nach Asien reagiert und die Flotten hier aufgestockt. Die Folge ist auch dort ein Preisverfall seit Juni. Drewrys Forecast sieht für das vierte Quartal weitere IACI-Dips durch Überkapazitäten, was ASEAN-Montagen billiger macht und den Puffer-Effekt verstärkt.

China löst sich von BRICS – nicht von der Welt

Auf chinesischer Seite zeigt sich ein gespiegeltes Bild zu den USA. Die eigentlichen Bündnispartner der Volksrepublik nehmen an Wichtigkeit ab. Der Rückgang des Handels mit den BRICS-Staaten hat zwei erkennbare Ursachen. Zum einen sinkt der Bedarf an fossilen Energieträgern, da China seine Energieversorgung zunehmend auf Elektromobilität und erneuerbare Quellen umstellt. Zum anderen diversifiziert Peking die Herkunft seiner Kohlenwasserstoffe.

Besonders interessant ist hier der Blick nach Brasilien. Zwar stiegen die Sojabohnenimporte im September um 5,3 Prozent, doch die gesamten Einfuhren aus Brasilien nahmen ab. Neben gesunkenen Preisen für Agrarrohstoffe spielt auch der Rückgang der Rohölkäufe eine Rolle. Peking justiert damit seine Lieferketten und verteilt Risiken breiter. Während Chinas Lateinamerika-Handel um 12 Prozent wächst, bleibt Brasilien (als BRICS-Kollege) bei -2 Prozent stecken. Dieses Muster signalisiert eine Diversifikation weg von „Freunden“ hin zu risikostreuen Quellen.

Bemerkenswert ist diese Entwicklung auch vor dem Hintergrund, dass der Handel Chinas mit Lateinamerika weiter zunimmt. Davon profitiert ausgerechnet das BRICS-Land Brasilien nicht. Ebenso nimmt der Austausch mit Waren aus Afrika zu. Allerdings ist das Niveau noch immer sehr gering und erreicht nicht annähernd das Niveau mit den USA. Die Exporte in diese beiden Regionen, Asien und Lateinamerika, sind auch deswegen unattraktiver, da die Margen wesentlich geringer sind als bei Produkten, die die USA oder Europa erreichen. Hier stehen zwei Märkte zur Verfügung, die einen größeren Absatzmarkt versprechen als diese beiden Kontinente, und die einen einheitlichen Standard an Zöllen, Zulassungen und Zertifikaten bieten, alles Elemente, die Preise bestimmen.

Der Handelskrieg zwischen den USA und China verändert die weltweiten Handelsströme, aber er entflechtet nicht wirklich die beiden Hauptakteure und sorgt für den vorhersehbaren Effekt, dass Protektionismus zuallererst denjenigen abstraft, der sich abschottet.

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